Wir möchten Ihnen die Aufgabenfelder der Biologischen Station vorstellen.
Sie finden Informationen zur Natur und Landschaft sowie zu Tieren und Pflanzen im Kreis Steinfurt.
Auch die Orte und Termine unserer Exkursionen werden hier veröffentlicht.
Nicht zuletzt können sie selbst aktiv werden und uns ihre Beobachtungen seltener Tiere oder Pflanzen mitteilen.
August 2010
Die Sumpfschrecke ist zur Zeit in einigen Feuchtgebieten zu hören...mehr
Die Biologische Station Kreis Steinfurt nimmt umfangreiche Naturschutzaufgaben im Kreis Steinfurt wahr. Sie wurde im Dezember 1996 gegründet und hat ihren Sitz in Tecklenburg. Als Kooperationszentrum zwischen Naturschutz und Landwirtschaft wird die Biologische Station Kreis Steinfurt zu gleichen Teilen von den Naturschutzverbänden und der Landwirtschaft getragen. Die Mitglieder des Trägervereins sind die Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land e.V. (ANTL), der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) Kreisverband Steinfurt, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband e.V. (WLV), die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe (LWK) und der Kreis Steinfurt.
Der Schutz unserer Natur und Kulturlandschaft ist das Anliegen von verschiedenen Institutionen, Behörden, Vereinen, aber auch Einzelpersonen wie Landwirten und Erholungssuchenden. Die Biologische Station Kreis Steinfurt stellt hier eine Schnittstelle dar. Sie leistet die fachliche Betreuung der Naturschutzgebiete vor Ort und informiert und berät über den Schutz von Tieren und Pflanzen und deren Lebensräumen im Kreis Steinfurt.
Biologische Station Kreis Steinfurt erstellt fachliche Beurteilungen zu den Naturschutzgebieten, einschl. Flora-Fauna-Habitat-Gebiete und Vogelschutzgebiete (FFH- und VSG-Gebiete), darunter besondere Schutzgebiete des kohärenten europäischen ökologischen Netzes "Natura 2000": Sie leistet das Monitoring in Gebieten der FFH- und der EG-Vogelschutz-Richtlinie in Abstimmung mit der LANUV (Berichtspflicht; MUNLV-Erlass v. 30.07.2004).
Naturschutzgebiete dienen dem Erhalt von Lebensgemeinschaften und Biotopen bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten. Ihr Status ist sowohl im Bundesnaturschutzgesetz als auch im Landschaftsgesetz NRW verankert. Im Kreis Steinfurt gibt es derzeit 79 Naturschutzgebiete im Bereich der Feuchtwiesen, Moore und Gewässerauen.
Von landesweiter Bedeutung ist das feuchte Grünland, welches den größten Anteil an den Naturschutzgebieten im Kreis Steinfurt einnimmt. Nasse Wiesen und Weiden stellen einen bedeutenden Lebensraum für zahlreiche Pflanzenarten und Tierarten dar. Im Zuge des Feuchtwiesenschutzprogrammes des Landes NRW konnten in den 1980-er Jahren im Kreis Steinfurt viele Feuchtgebiete unter Schutz gestellt werden, wie z.B. Halverder Aa-Niederung, Feuchtgebiet Saerbeck und Haverforths Wiesen bei Riesenbeck.
Feuchtwiesen zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Winter und Frühjahr lange überschwemmt sind und der Boden im Sommer noch einen hohen Grundwasserstand aufweist. In flachen Mulden, sogenannten Blänken kann sich das Wasser lange halten. Hier entstehen bunt blühende, artenreiche Feuchtwiesen, die vielen Tiergruppen wie Vögeln, Insekten und Amphibien einen wichtigen Lebensraum bieten. So benötigen die Watvögel stocherfähigen, feuchten Boden, in dem sie mit ihren langen Schnäbeln nach Nahrung suchen können. Eine Reihe von heute stark gefährdeten Pflanzenarten, wie Sumpfdotterblume, Geflecktes Knabenkraut und Sumpf-Sternmiere sind ebenfalls auf einen hohen Grundwasserstand angewiesen.
Weite Wiesenlandschaften prägen die Naturschutzgebiete des Kreises Steinfurt. Ihr Reichtum an Vogel- und Pflanzenarten verhalf ihnen zu einer weit über die Landesgrenze reichenden Bedeutung. Im Rahmen des Feuchtwiesenschutzprogrammes des Landes NRW konnten viele Feuchtwiesen entwickelt werden. Zur Förderung der gefährdeten Watvogelarten und Sumpfpflanzen sind Maßnahmen wie die Wiedervernässung von Wiesen und die Neuanlage von Flachgewässern initiiert und von der Biologischen Station Kreis Steinfurt fachlich be-gleitet worden. Hiervon profitiert auch eine Vielzahl weiterer Tierarten. Der Bestand des Laubfrosches konnte so in vielen Schutzgebieten gesichert werden.
Aufgrund seines naturräumlichen Potenzials weist der Kreis Steinfurt landesweit den größten Brutbestand an bedrohten Wiesenvögeln auf. In den Feuchtwiesen und Mooren des Kreises Steinfurt brüten 45 % des Bestandes des in NRW stark gefährdeten Großen Brachvogels (mind. 275 Paare), 25 % des Bestandes der in NRW stark gefährdeten Uferschnepfe (mind. 75 Paare) und 20 % des Bestandes der in NRW vom Aussterben bedrohten Bekassine (mind. 18 Paare).
Die Mitarbeiter/innen der Biologischen Station Kreis Steinfurt erfassen die Wiesenvögel und deren Gelege. Sie informieren die Landwirte vor Ort über den Standort der Gelege bzw. den Aufenthaltsort der Küken. Dadurch können die Landwirte bei der Bewirtschaftung der Flächen auf die Tiere Rücksicht nehmen. Diese Zusammenarbeit führt zu einem erhöhten Bruterfolg der bedrohten Wiesenvögel.
Die Biologische Station Kreis Steinfurt begleitet die Naturschutzmaßnahmen und gibt entsprechende Hinweise zu weiteren Schritten der Entwicklung einer naturnahen Flussdynamik.
Truppenübungsplätze, lange Zeit ausschließlich für militärische Nutzungen reserviert, sind von jeher Garant für großflächige, offene Landschaften ohne landwirtschaftliche Intensivnutzung. Da die Flächen nicht gedüngt werden, also arm an Nährstoffen sind, konnte sich ein Reichtum an spezialisierten Tieren und Pflanzen etablieren. Das klein-räumige Nebeneinander seltener und gefährdeter Biotope charakterisiert auch die offenen Bereiche des Truppenübungsplatzes Wersen/Halen, der als FFH-Gebiet „Vogelpohl“ im Nordosten des Kreises Steinfurt ausgewiesen wurde. Sandtrockenrasen, feuchte Zwergbinsenfluren, Pfeifengraswiesen und Heiden sind Beispiele für Biotope, die hier einen Lebensraum gefunden haben.
Des Weiteren besitzen Truppenübungsplätze ein hohes Potenzial für eigendynamische Naturentwicklung. Aufgrund der mechanischen Störung der Vegetationsdecke durch Militärfahrzeuge entstehen immer wieder offene Bereiche für konkurrenzschwache und lichtbedürftige Pflanzen wie Silbergras, Blauer Gauchheil, Knorpelmiere oder die Frühe Haferschmiele. Die Trockenrasen und Zwergbinsenfluren gehören zu den so-genannten Pioniergesellschaften, die offene Flächen als Erste besiedeln.
Pfeifengraswiesen sind feuchte, ertragsarme Streuwiesen, die im Spätsommer gemäht werden. Als floristische Besonderheit kommt hier der gefährdete Lungenenzian vor. Nicht zuletzt gibt es im Gebiet auch zahlreiche Heideflächen, in denen seltene Pflanzen wie die Gelbe Moorlilie oder der Englische Ginster vorkommen. Um diese Flächen heute im Vogelpohl erhalten zu können, werden sie von Landwirten über Bewirtschaftungs-verträge und dem Bundesforstamt gepflegt.